Sonntag, 21. Dezember 2014

Geschenkartikel

Das private Schenken ist auf eine soziale Funktion heruntergekommen, die man mit widerwilliger Vernunft, unter sorgfältiger Innehaltung des ausgesetzten Budgets, skeptischer Abschätzung des anderen und mit möglichst geringer Anstrengung ausführt. Wirkliches Schenken hatte sein Glück in der Imagination des Glücks des Beschenkten. Es heißt wählen, Zeit aufwenden, aus seinem Weg gehen, den anderen als Subjekt denken: das Gegenteil von Vergesslichkeit. Eben dazu ist kaum einer mehr fähig. Günstigenfalls schenken sie, was sie sich selber wünschten, nur ein paar Nuancen schlechter. Der Verfall des Schenkens spiegelt sich in der peinlichen Erfindung der Geschenkartikel, die bereits darauf angelegt sind, dass man nicht weiß, was man schenken soll, weil man es eigentlich gar nicht will. Diese Waren sind beziehungslos wie ihre Käufer. 
Bild: René Magritte (aus „Die persönlichen Werte”, 1952), Text: Theodor W. Adorno (aus „Minima Moralia”, 21. Aphorismus, 1951).

Freitag, 19. Dezember 2014

Sedat Yilbirt

„Architektur ist ein Gleichgewicht von Technik, Funktion, Wirtschaftlichkeit, Qualität und Disziplin. Aus dieser erschaffenen Harmonie entsteht der Erfolg zu einem einmaligen Kunstwerk”, sagt Sedat Yilbirt. Der Mann muss es wissen. Er war auf den archäologischen Grabungsfeldern Hasankeyf, im nordmesopotamischen Mardin Dara und der antiken Ruinenstadt Perge in leitenden Positionen tätig. Er kümmerte sich um den Denkmalschutz. Die Restaurationen im kasachischen Ahmet Yesevi Mausoleum und in mehreren Moscheen, ganz besonders der Blauen Moschee in Istanbul, sind Meilensteine. Mittlerweile wohnt und arbeitet er in Augsburg. Vor neun Jahren eröffnete er sein eigenes Architekturbüro. Viele Einfamilienhäuser in Königsbrunn, Antalya, Augsburg und Hörmannsberg, eine Wohnanlage in Bobingen, das Kulturzentrum in Pfaffenhofen, eine Moschee in Izmir und Eyüp Sultan in Gersthofen (Foto) sind einige seiner Werke der vergangenen Jahre. Yilbirt studierte an der Technischen Universität Istanbul. Sein Masterstudium über Restauration absolvierte er in englischer Sprache. Er ist Mitglied der Architektenkammern Nordrhein-Westfalen, Istanbul und Den Haag.

Sonntag, 14. Dezember 2014

Lahmacun

Vor etwa viertausend Jahren - zu jener Zeit herrschte überall in Europa noch das geschichtslose Dunkel der Steinzeit - wurden im nördlichen Mesopotamien bereits die Weichen gestellt. Assyrer erfanden eine Technik, die es ermöglichte, Teig hauchdünn zu formen. So entstand Lahmacun. Zur Zubereitung wird ein einfacher Teig aus Weizenmehl, Hefe, Wasser, Salz und eventuell etwas Öl zu millimeterdünnen, tellergroßen Fladen ausgerollt, mit einer Mischung aus rohem, gehacktem Lamm- oder Rindfleisch, Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und Paprikamark, die mit Kreuzkümmel, Sumak, Pfeffer und Salz gewürzt ist, bestrichen und möglichst in einem Steinbackofen direkt auf dem Boden gebacken. Traditionell wird Lahmacun - das Wort stammt aus dem Aramäischen und bedeutet soviel wie „Fleisch mit Teig“ - mit glatter Petersilie, Zwiebelstückchen und einem Zitronenviertel serviert. Der Fladen wird mit dem Zitronensaft beträufelt, nach Geschmack noch mit Pul Biber scharf gewürzt, mit der Petersilie zusammengerollt und aus der Hand gegessen.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Bratäpfel

Die Auswahl der Zutaten für die Füllung bleibt jedem selbst überlassen. Zum Beispiel Johannisbeermarmelade mit Haselnüssen. Oder Rosinen, Mandeln und Zimt. Marzipan mit Mohn. Trockenbeeren, Trockensteinobst und Nugat. Nach Belieben mit Schnaps. Zwetschgenwasser, Himbeergeist oder Calvados. Geschält sind sie wunderbar in Zucker und Zimt zu rollen; mit einer Mischung aus zerlassener Butter und gemahlenen Nüssen bekommen sie beim Braten eine knusprige Hülle. Raffiniert: Die Äpfel mit einer Baiserhaube aus geschlagenem Eiweiß und Zucker verschließen. Oft wird mit Vanillesoße oder Eis serviert. Es gibt auch pikante Bratäpfel. Dann wird mit Schinken, Speck oder würzigen Käsesorten wie Keçi Peyniri oder Gorgonzola gefüllt. Wichtig ist in jedem Fall die richtige Apfelsorte. Fest und säuerlich wie Boskop sollten die möglichst großen Früchte schon sein. Heiß auftischen!

Mittwoch, 26. November 2014

Heute im Maximilianmuseum

Während draußen der Bratwurst- und Glühweinmarkt tobt, wird drinnen die Innenbeleuchtung saniert und die nächste Sonderausstellung vorbereitet. Die Räumlichkeiten sind nur zum Teil begehbar. Die Eintrittspreise wurden entsprechend reduziert. Der Viermetzhof, ein Innenhof zwischen zwei alten, miteinander verbundenen Patrizierhäusern, ist frei zugänglich. Es geht ruhig zu. Noch.
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