Freitag, 29. Dezember 2017

Zu spät

Jeder wünscht sich weiße Weihnachten, doch meistens ist es zu warm. Die Statistiken zeigen, dass in den meisten Jahren zum Fest kein Schnee liegt. So war es heuer auch. Diesmal ist es wie ein Päckchen, das zum Vierundzwanzigsten bestellt war aber erst jetzt, kaum dass die Feiertage vorbei sind, eintrudelt.

Dienstag, 26. Dezember 2017

Der Sternekoch

Weihnachten ist die Zeit, in der er voll zuschlägt. Stundenlang in der Küche verschanzt frönt er seiner Leidenschaft, dem Kochen. Seine Gäste kommen mit knurrenden Mägen und ausgehungert. Die Einladung ist exklusiv und nur einem ausgewählten Kreis vorbehalten. Die Erwartungshaltung ist hoch. 
Ein warmes Süppchen eröffnet den Reigen - diesmal eine Zucchinisuppe nach einem italienischen Rezept. Dabei wird zerriebener Knoblauch mit Salz vermischt, mit dünnen Zucchinischeiben und einer roten Chilischote angeschmort und anschließend einige Minuten gedünstet. Danach kommen gewürfelte Tomaten dazu, wird Brühe angegossen, mit Basilikum und Petersilie verfeinert und mit Salz abgeschmeckt. 
Der Mittelpunkt ist das Highlight: Lammkarree, ein Schnitt aus dem vorderen Lammrücken. Es gilt als Delikatesse und ist auch eine. Sein Fleisch ist wunderbar zart und mild im Geschmack. Im Ofen dezent und saftig gebraten mit einer leckeren Kruste wird es zum Festschmaus und zur Augenweide. Der Sternekoch serviert dazu Blechkartoffeln mit Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten, verschiedenen Kräutern und Gewürzen. Als weitere Beilage dienen gedünstete Spargelbohnen. 
Den Abschluss bildet ein süßes Himbeerdessert mit Spekulatius. Dazu wird aus Quark, Mascarpone und geschlagener Sahne eine mit Zucker und Vanille gesüßte cremige Masse verrührt und mit zerbröselten Spekulatius und Himbeeren abwechselnd in ein gläsernes Gefäß geschichtet. Nach mehreren Stunden Kühlung entwickelt es sich zur unwiderstehlichen Nachspeise und der Koch hat sich seinen Stern endgültig verdient. Nur den Puderzucker hat er vergessen.

Indonesian Handicraft

Fächer sind in Indonesien weit verbreitet. Traditionell werden sie in Heimarbeit von Hand hergestellt, doch die alte Handwerkskunst ist durch die industrielle Massenproduktion bedroht. Hochmoderne Maschinen fertigen in großen Fabriken Ramschware zum Schleuderpreis, während die meist nicht gerade auf Federn gebetteten Handwerker immer mehr Marktanteile verlieren und ihr Berufsstand, sollte die Entwicklung nicht umgekehrt werden, vom Aussterben bedroht ist. Genauso geht es den Korbflechtern, die aus Rattan und anderen Rohstoffen mit viel Geschick allerhand Gebrauchsgegenstände zaubern. Beim Kauf von indonesischen Handarbeiten und indonesischer Handwerkskunst sollte immer genau darauf geachtet werden, von wem und wo die Gegenstände hergestellt wurden.

Sonntag, 17. Dezember 2017

Die Augsburger Popgeschichte

Das Buch „Die Augsburger Popgeschichte” erschien erstmals 1988 im SoSo-Verlag. Es listet in unzähligen Beiträgen und alphabetischer Reihenfolge die Beteiligten seit 1958 auf. Gespickt mit vielen Schwarz-Weiß-Fotos, angereichert mit Anekdoten, Erinnerungen und Streifzügen durch die Musikszene der Hauptstadt Schwabens, wurde es zum unentbehrlichen Meisterwerk für angehende Musikhistoriker, solche, die es werden wollen und diejenigen, die es bereits sind. Auch für angehende Musikliebhaber, solche, die es noch werden wollen und diejenigen, die es bereits sind, wurde es zum unverzichtbaren Lexikon. Hier ein paar Auszüge:
AN 1. Stille Tage nicht nur in Clichy. Meditative Musik. 1971 bis 1972. AN 1 bemühte sich ruhige Musik zu schaffen, um dem Zuhörer innere Stille und Geboregenheit zu vermitteln. Das aus Eigenbeiträgen bestehende Programm realisierten die Gitarristen Siegfried Bergmair und Norbert Erhard ausschließlich mit meditativen Instrumentalsongs. Ihren technisch sauberen Vortrag mit strukturierten Klanggespinsten ergänzten sie mit improvisierten Schwebeklängen. 1972 löste sich das Duo auf. Ein Jahr darauf arrangierte Norbert Erhard mit Horst-Dieter Eiberger die Gruppe Ikarus II.
Ikarus II. Virtuose Mischung. Soft-Rock. 1973. Als sie bereits von einer bestehenden Combo Ikarus hörten, tauften sich die Mannen um Horst-Dieter Eiberger und Norbert Erhard kurzerhand in Ikarus II um. Stilistisch angelegt an America und Crosby, Stills & Nash brachte die Formation mit ihren Eigenkompositionen leise Rockmusik auf eine eingängige Unterhaltungsformel. Der besondere Reiz ihres Sounds lag vor allem darin, dass sie akustische Instrumente (Konzertgitarre, Blockflöte) mit elektrischen (Bass) zu einer virtuosen Einheit verbanden. Ihren größten Erfolg verzeichnete die Gruppe bei einem Rockfestival im Augustanasaal, bei dem der Bassist der legendären Ken Rhodes Group die Line Up als Gastmusiker verstärkte.
Trio Infernal. Unvereinbarkeit vereint. Jazz-Rock. 1975. Das Trio widerlegte die von Kritikern oftmals heraufbeschworene Unvereinbarkeit von Qualität und Kommerz im Jazz-Rock-Bereich. Das Spektrum ihrer eigenen Instrumental-Kompositionen reichte von hochenergetischen Rhythmen bis zu abrupt wechselnder Metrik. Jazz-Virtuose Wolfgang Dauner stand für das eine oder andere Werk Pate. Die Gruppe ging getrennte Wege, als Heinrich Weber ins Ausland übersiedelte. Besetzung: Norbert Erhard (git), Henry Jennes (p), Heinrich Weber (dr)
Norbert Erhard. Doppelleben. Grelle Rhythmen und musikalische Effekthascherei sucht man in den Werken des Liedermachers Norbert Erhard vergebens. „Seine Songs sind nachdenklich und zuweilen mit einer gehörigen Portion Ironie durchsetzt” (Stadtzeitung). „Als moderner Wolfram von Eschenbach überzeugt er genauso wie als Interpret jazziger oder spanischer Gitarren-Versionen” (Szene). Nach einer Ausbildung an der klassischen Gitarre verschrieb sich der am 24. August 1955 geborene Musiker, Komponist, Texter, Sänger, Satiriker und Lyriker zunächst den Rock-Klängen. 1971 gründete er AN 1. Ikarus II und Trio Infernal schlossen sich an. Auf der Suche nach neuen Artikulationsmöglichkeiten entstanden 1979 die ersten Dialekt-Songs. Wenig später folgte erneut ein Stilwechsel: Villa-Lobos beeinflusste nun seine musikalische Richtung. Norbert Erhard komponierte eine Reihe von Instrumentaltiteln bevor er die Musik wieder als textlichen Transportträger wählte. 1985 schloss er sich zum Duo Rupprecht & Erhard zusammen und fing poetische Momente mit lyrisch-melodischen Tönen ein. Gegensätzliche Stimmungswerte fügte er auch immer wieder bei seinen Solo-Auftritten und seinen Gastspielen mit dem Duo Wahnfried & Nervenruh in seinen bildmalenden und doch streitbar-humorvollen Klangrahmen ein.
Rupprecht & Erhard. Zwei unterschiedliche Temperamente. Lyrik und Musik. „Was Rupprecht & Erhard mit Wort und Musik zaubern, ist vom Feinsten”, urteilte die AZ. Ende 1985 gegründet, gelang es Siegfried P. Rupprecht und Norbert Erhard mit zahlreichen Auftritten in Süddeutschland ein enges Band zum Publikum zu knüpfen und einen „eigenen neuen Freiraum zu schaffen”(Bildpost, Berlin). Ihr selbst geschriebenes Repertoire umfasst Klangbilder, kritische Seitenhiebe, mitreißende Lieder und gefühlvolle Balladen. „Texte schweben in sensible Klangrhythmen, beißen sich fest, um sich anschließend in sattem Gitarrensound fallen zu lassen” (Allgäuer Zeitung). Als Beispiel ihres musikalischen und textlichen Ideenreichtums wird von Kritikern ihre 1986 eingespielte MC „Wie eine Feder im Wind” angesehen. Der deutsche Blätterwald stellte in ihr „nachvollziehbare Tiefsinnigkeit” (Deutsche Post, Frankfurt) fest und verglich den „den gekonnt gelegten Klangteppich” mit einem „lebendigen Karussell” (Landkreis-Kurier). „Norbert Erhard entpuppt sich dabei als glänzender Virtuose und Siegfried P. Rupprecht als treffender Interpret, Mentalität, Coleur und Aussagekraft homogen und zielstrebig zu vereinen” (Stadtzeitung). Dazu das Duo: „Wir wollen nicht provozieren, doch schon mal die Finger auf offene Wunden legen.” Mit ihren Klangbildern in Wort und Ton umrahmte Rupprecht & Erhard auch diverse Dichter- und Autorenlesungen (Lyrik im Hinterhof).
Wahnfried & Nervenruh. Missionarische Aufbauarbeit. Satire und Musik. Ihre Selbsteinschätzung spricht bereits für sich. „Wir sind die größte Frechheit, seit sich die Menschheit auf die Hinterbeine gestellt hat, die unverschämteste Gemeinheit seit Adam und Eva und die bösartigste Unverfrorenheit seit Heino und Howard Carpendale", heißt es in einer Band-Info. Ihr Programm zollt dem dann auch Tribut. Naivität, Ironie, Witz und Zeitkritik sowie lyrisch Balladeskes gehen darin eine harmonische Ehe ein. Das 1988 gegründete Duo blickt hinter die Kulissen, betreibt missionarische Aufbauarbeit und setzt sich psychisch mit dem am meisten angespitzten Personenkreis, den beamteten Herren in grüner Uniform, auseinander. Gefällige, ins Ohr gehende Melodik und effektvolle Satire sind die Markenzeichen von Wahnfried & Nervenruh. Hinter den beiden Musikern verbergen sich der Augsburger Liedermacher Norbert Erhard und der Münchner Gitarrist Franz Tschetsch.

Dienstag, 12. Dezember 2017

Dry Aged Beef

Im Kühlraum steht die Luft. Es riecht gleichzeitig nach Schinken, Moschus, frisch gebackenem Hefezopf, Raureif und verschwitzten Wollsocken. Das Fleisch ist schwarz wie Blutwurst und hart wie Kruppstahl. Darüber wuchert ein feiner, weißer Flaum. Steakliebhaber kommen ins Schwärmen. Hier wird Fleisch trocken abgehangen. Die am Knochen gereiften Rinderrücken sind das Ergebnis des ältesten Fleischreifungsverfahrens der Welt. Vor der Zubereitung wird die äußere Schicht, die durch die Luft hart, schimmelig und ungenießbar geworden ist, weggeschnitten. Übrig bleibt ein edles Stück, sozusagen der Kern. Vor dem Braten sollten die mindestens zwei Finger dicken Steaks ein bis zwei Stunden bei Zimmertemperatur ruhen. Nach der Erhitzung in einer heißen Eisen- oder Edelstahlpfanne sollten sie eine rehbraune Kruste haben. Danach gehören die Leckerbissen noch für einige Minuten in den Ofen. Viele empfehlen, das Fleisch zunächst gar nicht zu würzen, sondern erst einmal nur pur zu probieren. Dann kommt der natürliche und ganz eigene Geschmack richtig zur Geltung.