Dienstag, 17. Oktober 2017

Regionalliga Bayern

Schwaben und Bayern waren sich noch nie so richtig grün. Auch nachdem Napoleon die Freie Reichsstadt Augsburg zu Beginn des 19. Jahrhunderts an das Königreich Bayern verschenkt hatte, änderte sich das nicht. Es ist eine Geschichte von Erfolg und Misserfolg, von Auf- und Abstieg, von Neid und Missgunst. Der Sprung zum Fußball ist ein kurzer. Die besondere Abneigung und manchmal fast schon abgrundtiefe Feindschaft, die zwischen vielen Anhängern des FC Augsburg und des TSV 1860 München liegt, zeugt davon. 
Es nicht weiter verwunderlich, dass es rund um die zum Hochrisikospiel eingestufte Regionalligabegegnung zwischen den beiden rivalisierenden Fangruppen schon im Vorfeld zu Auseinandersetzungen kam. In der Innenstadt Augsburgs, wo beide Lager vor und nach der Begegnung aufeinander trafen, setzte die Polizei Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Trotzdem oder gerade deswegen mussten mehrere Personen vor Ort vom Rettungsdienst behandelt werden. Es gab zwanzig Festnahmen und zweiundvierzig Anzeigen - wegen Landesfriedensbruch womöglich, wegen Schwaben und Bayern, Augsburgern und Münchenern, wegen FCAlern und 60ern. 
Als die Löwen vor Jahrzehnten ihre einzige deutsche Meisterschaft feierten, war der FCA noch nichteinmal gegründet. Als den Sechzgern seinerzeit die Lizenz verweigert wurde, zogen sie zu tausenden durch den Freistaat, während in Augsburg jeder Zuschauer noch per Handschlag begrüßt werden konnte. Die Zeiten haben sich geändert, die 60er-Fans nicht. Einmal Löwe immer Löwe. Davon kann so mancher Bundesligist nur träumen. 
Die Regionalligamannschaft des FC Augsburg trägt ihre Spiele normalerweise im älteren und kleineren Rosenaustadion aus, für die Begegnung gegen die Münchener zog man jedoch in die ansonsten nur den Profis vorbehaltene WWK-Arena um. Es lohnte sich. Einundzwanzigtausendzweihundertneunzehn (21.219) Interessierte fanden sich ein und brachen den Zuschauerrekord der Regionalliga Bayern aus dem Jahr 2010. Damals besuchten 15.224 Fans eine Begegnung des SV Jahn in Regensburg. 1860 braucht die Bundesliga nicht, zumindest nicht unbedingt. 
Obwohl am Eingang gründliche Kontrollen durchgeführt worden waren - das Spiel wurde mit viertelstündiger Verspätung angepfiffen - gelangten pyrotechnische Gegenstände ins Stadion. Natürlich wurden sie gezündet. Rauchschwaden zogen durch das Rund. Es entstand der Eindruck, als sei die Regionalligapartie und damit der Fußball an sich zur Nebensache verkommen. Was ein großes Ärgernis der beteiligten Vereine bedeutet und eine minutenlange Spielunterbrechung provozierte, war auf der einen Seite unverantwortlich und deshalb auch verboten, bot aber auf der anderen Seite dem Zuschauer eine interessante Abwechslung und dem Fotografen ein willkommenes Motiv. 
In einer flotten Partie, bei der die Löwen reihenweise ihre Chancen versiebten und der Schiedsrichter einen Elfmeter versagte, gingen die anfänglich wie das Kaninchen vor der Schlange agierenden Augsburger als glücklicher Sieger vom Platz. Die viertklassigen Fußballer zauberten ein rasantes Spiel mit viel Kampf, wenig Krampf, Rasse und Klasse auf den Rasen, ließen kaum Wünsche offen und beglückten die Zuschauer mit fünf Toren. Die Partie endete drei zu zwei. 
Es gibt ein Rückspiel. 
>> Fotos folgen bald

Dienstag, 3. Oktober 2017

Oktoberfestbier

Zum Abschluss des diesjährigen Oktoberfestes noch schnell ein kurzer Vergleichstest der heurigen Gebräue aus den Sudkesseln der Paulaner und deren von Löwenbräu. Mehr war nicht möglich. Ohne Zweifel geht nichts über eine frischgezapfte Mass. Wer aber nicht nach München fahren will, um sich in eines der Zelte zu drängen, hat das Glück, dass das Bier auch abgefüllt wird. Beide oben genannten Hersteller verwenden hierzu braune Glasflaschen der Sorte NRW-GR905 mit einem Fassungsvermögen von einem halben Liter und Kronkorkenverschluss. Aus historischen Gründen, die hier nicht genauer beschrieben sein sollen, sind Oktoberfestbiere Märzen mit einem etwas höheren Alkoholgehalt. Der Unterschied beginnt beim Etikett. Während Löwenbräu auf himmelblauem Grund eine Kellnerin im Dirndl vor der Brauerei fünf Mass stemmen lässt, zeigt Paulaner einen turbulenten Fassanstich. Wer gleich aus der Flasche trinkt, sieht nicht, dass dem feinen Schaum des Löwenbräu der eher grobporige des Paulaners gegenüber steht. Das Löwenbräu überzeugt mit seinem schönen Antrunk und einem kraftvollen Nachhall. Es ist sehr mild, malzig mit schöner Würze und gut abgestimmten Hopfennoten. Das Paulaner unterscheidet sich schon optisch durch seinen dunkleren Goldton. Das Bier gefällt, passend zur Farbe, auch durch sein eher dunkles Aroma mit malzig-würzigen Noten und einem guten Hopfenton. Welches der beiden Biere letztendlich das bessere ist, lässt sich nach der Verkostung von jeweils einer Mass nicht mehr beurteilen. Beide munden vorzüglich.

Montag, 18. September 2017

Der Sommer geht

Ein untrügliches Zeichen, dass uns der Sommer verlässt und der Herbst ins Land zieht, ist die Blüte der Gelenkblume. Die Zeit, als jeder unter der Hitze stöhnte ist erstmal vorbei. Stundenlange Schweißausbrüche durch bloßes Nichtstun im kurzen, dünnen Hemd werden uns die nächsten Monate nicht mehr begleiten. Selbst an einem sonnigen Tag wie heute will die Quecksilbersäule des Thermometers nicht mehr über die 18-Grad-Marke klettern. Die kühlen Nächte haben bereits deutliche Spuren in der Pflanzenwelt hinterlassen. Einige der Gewächse haben ihren Dienst kurzerhand quittiert. Bereits um Acht wird es dunkel.
In den süßen, kleinen Cocktailtomaten steckt noch das Licht und die Wärme des Sommers, in den knallgelben Chilischoten das Feuer der Sonne.

Sonntag, 10. September 2017

Thailändisch im Baitong

Wer in Augsburg authentische thailändische Küche genießen möchte, kommt um das Baitong nicht herum. Hier schmeckt alles noch original. Das Restaurant befindet sich in einem eher unscheinbaren Flachbau im Süden Augsburgs. Die Inhaberin und Betreiberin Sukanya Weissenbrunner lebt seit 1999 in Deutschland und eröffnete das Lokal im Sommer 2013. Zuvor hatte sie schon viele Gerichte von ihrer Mutter in Khon Kaen, einem Ort im Nordosten Thailands, gelernt. Nach dem Abitur arbeitete sie als Kindergärtnerin, betrieb eine Garküche an einer Schule und gab regelmäßig Kochparties. Die Schärfe der Gerichte wurde etwas europäisiert, auf Wunsch gibt es aber auch extra Chili. Baitong bedeutet übersetzt „Bananenblatt”.
Die Getränkekarte ist weniger exotisch. Natürlich gibt es verschiedene Sorten Tee. Neben allerlei Säften und Saftschorle stehen Weine aus Österreich und Italien auf der Karte, zum Ausschank kommt hauptsächlich das Bier von Hacker-Pschorr, es werden aber auch thailändische Biere angeboten. Zum einen ist das das „Chang Classic”, zum anderen das „Singha Lager Beer”, das von der Schlossbrauerei Au-Hallertau nach der Originalrezeptur der in Bangkok beheimateten Singha Corporation gebraut und abgefüllt wird.
Die interessante Menükarte ist übersichtlich gestaltet und bietet ein reichhaltiges Angebot an echten thailändischen Speisen. Als Vorspeise eignet sich zum Beispiel einer der exotischen Salate, eine Kleinigkeit aus der Rubrik Fingerfood oder eine der Suppenkreationen, die ganze zwei Seiten auf der Karte einnehmen. Oben abgebildet „Tom Ka Gai”, eine milde Hühnersuppe mit Kokosmilch, Champignons, Tomaten, Zwiebeln, Galgant, Zitronengras, Kaffir-Limettenblättern und Thai-Koriander.
Hier zwei weitere Suppen: Links „Tom Yam Gai”, eine scharfe Hühnersuppe mit Thai-Chilipaste, Champignons, Tomaten, Zwiebeln, Galgant, Zitronengras, Kaffir-Limettenblättern, Thai-Koriander und Chili. Rechts daneben „Tom Ka Tale”, eine Suppe aus Meeresfrüchten mit Kokosmilch, Champignons, Tomaten, Zwiebeln, Galgant, Zitronengras, Kaffir-Limettenblättern und Thai-Koriander.
Richtig spannend wird es beim Hauptgericht. Die Karte ist unterteilt in die verschiedenen Fleischsorten, Fische und Meeresfrüchte, vegetarisches oder Tofu. Oben abgebildet sind zwei Gerichte mit Entenfleisch. Links das „Ped Pad Prig Nomai”, eine leicht scharfe, knusprig gebratene Ente mit Tamarinde, Zwiebeln, Knoblauch, Thai-Basilikum, Paprika und Chili, rechts „Gäng Ped Ped Yang”, die knusprige Ente auf rotem Thai-Curry mit Ananas, Kokosmilch, Zucchini, Aubergine, Bohnen, Bambus, Karotten, Erbsen, Tomaten, Paprika und Thai-Basilikum.
Links „Pla Mük Gratiam Prig Thai”, ein pikant gebratener Tintenfisch mit Knoblauch, Pfeffer, Champignons, Chinakohl, Zucchini und Sesam. Rechts „Gäng Kiao Wan Tao Hu”, ein grünes Tofu-Curry mit Kokosmilch, Zucchini, Auberginen, Bohnen, Bambus, Thai-Basilikum und Paprika. Man sieht, es geht auch ohne Fleisch.
Als Desserts werden sechs leckere Kreationen offeriert. Das Angebot reicht von gebackenen Bananen mit Sesam, Kokosflocken und Honig bis zur Früchteschale mit verschiedenen Eissorten. Oben links abgebildet das optisch ansprechende „Kao Niao Mamuang”, ein gedämpfter Klebreis mit Kokosmilch, Mango und Erdnüssen. Rechts eine Creme aus Mango-Püree mit Kokosmilch, Mascarpone und Quark, garniert mit gebackenen Mandeln, obendrauf eine Physalis. 
Fazit: Wer in Augsburg thailändisch essen will, dem sei das Baitong ans Herz gelegt. Die fröhliche und zuvorkommende Art der freundlichen Bedienung, die ansprechende Einrichtung und vor allem das gute Essen überzeugen auf ganzer Linie. Die Preise sind eher im mittleren Segment angesiedelt, die Qualität ist hoch. Ein Besuch im Baitong wird keinen enttäuschen. Eine vorherige Reservierung ist zu empfehlen.

Montag, 28. August 2017

Jägerhaus Bergheim

Wer die Wellenburger Allee stadtauswärts mit der Bergheimer Straße verwechselt, stößt unweigerlich auf das Jägerhaus. Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn: Ein urgemütlicher Biergarten mit schattenspendenden Kastanien, ruhiger Atmosphäre und regionaler Küche vom Feinsten. Die Zeit bleibt stehen. Durstlöschend und süffig ist das dunkle Radler mit dem würzigen Bier aus der Klosterbrauerei Scheyern.
Einige Beispiele aus dem Angebot: Oben links der Schweinsbraten. Ihn gibt es im Jägerhaus in vier Varianten. Hier abgebildet der mit Pilzen und Spätzle. Sehr zart und deftig. Rechts daneben das Welsfilet. Auch heimische Fische werden im Jägerhaus angeboten. Außer Wels steht Forelle und Zander auf der Speisekarte. Mit Gemüse, einer herzhaften Kräutersoße und Kartoffeln. Links unten der eingelegte Pressack. Kräftig, aromatisch und rustikal. Manche lieben ihn mit Pfeffer. Der Streuer steht auf dem Tisch. Rechts unten die Kässpatzen. Original schwäbisch, bodenständig, ehrlich und echt. Natürlich mit Salat.
Absolut empfehlenswert um diese Jahreszeit sind die Pfifferlinge in Rahmsoße mit Semmelknödel. Die Pilze sind bissfest, die Soße präsentiert sich mit der richtigen Konsistenz und der Semmelknödel besticht mit einem ganz feinen Hauch Muskat. Genau so soll es sein. Ein Traum!